Christian Heinrich Hornschuch

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Geheimrat Christian Heinrich Hornschuch (geb. 2. März 1838 in Abtswind; gest. 17. Januar 1912 in Fürth) war ein bedeutender Industrieller, Magistratsrat und Stifter.

Für seine Firma Weber und Ott ließ er das erste Überlandtelefon Deutschlands von Fürth nach Forchheim einrichten.

Leben

Die Familie Hornschuch lässt sich bis ins 14. Jahrhundert in Thüringen nachweisen, in den folgenden Jahrhunderten brachte sie viele Gelehrte und Pfarrer hervor. Der Großvater, gelernter Apotheker, und der Vater von Christian Heinrich Hornschuch betrieben in Abtswind (bei Kitzingen) ein Weingeschäft.[1]

Christian Heinrich Hornschuch lernte im Handelsinstitut Neustadt a.d. Aisch Kaufmann und machte dort nebenbei eine Handelslehre (8. Mai 1851 - 12. Mai 1853). Da das Weingeschäft nur mäßig lief, erwarb der Vater zusammen mit seinem Sohn das Schnittwarengeschäft des Markus Pfeiffer in Bad Windsheim (1857). Dem Vater sollte damit ein geschäftlicher Erfolg in bescheidenen Grenzen beschert werden, während es für den Sohn eine berufliche Erfahrung war. Weitere praktische Betätigung fand er in Schweinfurt (bei J. J. Leininger) und Nürnberg ( bei Grasser & Co.). 1860 schließlich wurde er Angestellter bei Weber und Ott. 1861 erlangte er die Befähigung zum Betreiben eines Schnittwarenhandels und heiratete die Tochter des Geschäftsinhabers Konrad Ott, Elisabeth Babette Magdalena Ott (Mitgift 4 000 fl.). Dadurch stieg er zum Teilhaber auf (15. September 1861). Nach dem Tod seiner ersten Frau (1870) heiratete Hornschuh in zweiter Ehe Anna Maria Johanna Ott (geb. 4. August 1845, gest. 30. November 1921), eine Cousine seiner ersten Frau und Tochter des Spielwaren- und Schnittwarengeschäftsinhabers Johann Michael Ott.[2]

Hornschuch erweiterte den Absatzmarkt der Firma systematisch, gleichzeitig stellte er einen Teil der Produktion auf die Erzeugung von wollenen Kleiderstoffen, Flanell usw. um, da bedingt durch den amerikanischen Sezessionskrieg die Baumwollpreise explodierten und somit den Wettbewerb sehr verschärften. Auch durch große Heeresaufträge im deutsch-französischen Krieg machte die Firma gute Geschäfte. Im Jahr 1872 schied Konrad Ott aus der Firma aus und Heinrich Hornschuh wurde Alleininhaber.

1873 ließ er in Forchheim eine eigene Weberei einrichten um sich von den Heimarbeitern unabhängig zu machen. Bereits nach drei Jahren waren in Forchheim rund 100 mechanische Webstühle im Einsatz, die ihre Energie durch ein Wasserrad an der Wiesent erhielten. 1875 kam eine chemische Bleichanstalt hinzu und 1883 und 1893 kaufte er weitere Webereien in Brand, Erlangen und Wunsiedel auf, sowie im Jahr 1900 die Kulmbacher Spinnerei. Er wurde der "Textilbaron" genannt. [3]

1883 ließ er zwischen seinem Fürther Hauptkontor an der Maxstraße 36-38 und der Weberei in Forchheim entlang des Ludwig-Donau-Main-Kanals eine Telefonleitung legen, die die erste Überlandtelefonanlage Deutschlands überhaupt realisierte und mit 34 Kilometern Gesamtlänge mind. bis 1887 die größte Telefonleitung Deutschlands blieb.[4] Die Leitung diente bis 1921 ausschließlich seiner Firma Weber und Ott. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraft, der Anschluss der Weberei und der Spinnerei in Forchheim an Gleislanlagen und etliche Modernisierungen prägten die Jahre von 1885 bis 1908. Die Buntweberei, welche von einer hiesigen Firma in sehr ausgedehntem Umfang betrieben wird, ist fortgesetzt sehr gut beschäftigt. Diese Firma beschäftigt 1000 Arbeiter und ist das größte Etablissement dieser Art nicht allein im Königreich Bayern, sondern in ganz Süddeutschland. Die Fabrikate werden sämmtlich im Inlande abgesetzt.[5] Diese Beurteilung des Unternehmens aus dem Jahr 1886 galt fast uneingeschränkt bis zum Ersten Weltkrieg. Zu dieser Zeit allerdings beschäftigte Weber und Ott an die 5 000 Menschen in allen seinen Webereien und Spinnereien.[6]

Im September 1901 heiratete seine Tochter den Apotheker Dr. C. Soldan aus Nürnberg in der Paulskirche. (Es war die erste Trauung in dieser neuerbauten Kirche.)[7]

Soziales Engagement

Geheimrat Hornschuch tätigte zahlreiche Stiftungen, viele davon für Fürth. Vor seiner Ernennung zum Kommerzienrat stiftete er 17 000 Mark für seine Arbeiter. Nachdem 1899 seine Firma Weber und Ott in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, errichtete er aus diesem Anlass seinen Arbeitern eine Stiftung vom 200.000 Mark.[8] Neben kleineren Spenden für die Auferstehungskirche und das Nathanstift errichtete er 1907 die Schulzahnklinik, die "Heinrich-Hornschuch-Stiftung". Nach seinem Tod wurde sein Werk von Sohn Fritz Hornschuch fortgesetzt. In seinem Testament vermachte er vielen weiteren Einrichtungen zum Teil mehrjährige Einkünfte. So erhielt die Stadt ein Kapital von 100 000 Mark, um aus den Zinsen monatlich 150 Mark an die Armen der Stadt zu verteilen. Das Nathanstift bekam 5 Jahre lang 1 000 Mark. Die Kirchen St. Michael und St. Paul erhielten ebenso 1 000 Mark wie zahlreiche andere Organisationen, z.B. Waisenhäuser, Feuerwehr und Sanitätskolonne.

Ehrungen

  • 1886: Kommerzienrat
  • 1908: Geheimer Kommerzienrat
  • Ehrenbürger der Stadt Forchheim
  • Ehrenbürger der Stadt Weißenstadt (Ofr.)

Am 1. Mai 1912 wurde ihm zu Ehren die Promenadenstraße in Hornschuchpromenade umbenannt.

Literatur

  • Die Hausstände von Christian Heinrich Hornschuch. In: Schriftensammlung des Familienarchivs Hornschuch. Hrsg.: Familienarchiv Hornschuch in Schorndorf, Schorndorf, 1944
  • Beke Maisch: Geschichte der Forchheimer Hornschuch-Villa. Die Geschichte eines Forchheimer Hauses zeigen. In: Nürnberger Nachrichten vom 12. September 2008
  • Rurik Schnackig: Firmengeschichte wird weiter gewoben. Weber & Ott feiert 175. Geburtstag - Viele Exponate dokumentieren die Zeit - Tag der offenen Tür. In: Nordbayerische Nachrichten für Forchheim und Ebermannstadt vom 12. September 2009 - NN Forchheim und Ebermannstadt

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Erhard Schraudolph: Vom Handwerkerort zur Industriemetropole. Selbstverlag, Historischer Verein für Mittelfranken, Ansbach (Mittelfränkische Studien, Band 9), 1993, S. 159.
  2. Willy Hornschuch / Hermann Ströle, 50 Jahre Konrad Hornschuch, Schorndorf 1956, S. 60 ff., 157-159; Fürth Stadtarchiv, Fach 18a, H, Nr. 348; Meerwald, S. 61-63
  3. Karl-Maria Haertle: Fürth im 19. Jahrhundert. Volk Verlag München, 2012, 978-3-86222-072-4, S. 105.
  4. Fronmüllerchronik, 1887, S. 597
  5. Jahresbericht des Bezirksgremiums (Handels- und Fabrikrat) in Fürth 1886, Fürth 1887, S. 41
  6. Erhard Schraudolph: Vom Handwerkerort zur Industriemetropole. Selbstverlag, Historischer Verein für Mittelfranken, Ansbach (Mittelfränkische Studien, Band 9), 1993, S. 161.
  7. Fürth 1901-1910, Käppner-Chronik, Teil 2. Hrsg: Bernd Jesussek, 2003, S. 7
  8. Fürth 1887-1900, Käppner-Chronik, Teil 1. Hrsg: Bernd Jesussek, 2015, S. 70

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