Knoblauchsland

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"Knoblauchsland - Gemüseland". Festwagen beim Fürther Erntedankfestzug 2010

Das Knoblauchsland ist ein Gemüseanbaugebiet nordöstlich von Fürth.

Als eines der größten zusammenhängenden Anbaugebiete seiner Art wird das Knoblauchsland durch die Städte Fürth und Nürnberg im Süden, den Frankenschnellweg im Westen, Erlangen im Norden und den Nürnberger Reichswald im Nordosten und Osten begrenzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten schriftlichen Zeugnisse belegen einen verbreiteten Anbau von Zwiebeln, Kraut und Erbsen bereits zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Der Knoblauch wird ausdrücklich in den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts erwähnt. Von ihm bekam das Knoblauchsland seinen Namen und nicht vom Familiennamen Knoblauch.[1] Im Jahr 1442 wird der Name Knoblauchsland erstmals offiziell erwähnt, als der Nürnberger Rat vor dem 1. Markgrafenkrieg die Bauern auf dem Land in Hauptmannschaften organisieren ließ. 1650 zählt der Nürnberger Arzt und Dichter Johann Hellwig auf, was alles angebaut wurde: Melonen, Gurken, Artischocken, Blumenkohl, Endivien, Lattich, Kraut, Kohl, weiße, gelbe und rote Rüben, Rettich, Meerrettich, Petersilie, Fenchel, Spargel, Schnittlauch, Zwiebeln, Majoran, Kümmel, Koriander, Minze, Borretsch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Knoblauchsland vor allem durch Flurbereinigungsmaßnahmen stark. Auf großen Bereichen wurden Glashäuser errichtet. Zudem haben sich der Wohnungsbau, Industrieansiedlungen und nicht zuletzt der Flughafen immer weiter in das landwirtschaftliche Gebiet ausgedehnt.


Fürther Ortsteile im Knoblauchsland[Bearbeiten]


Die Wirtschaft im Knoblauchsland[Bearbeiten]

Bedingungen für die Landwirtschaft[Bearbeiten]

Der Gemüseanbau im Knoblauchsland findet heute sowohl in Treibhäusern als auch im Freiland statt. In vorteilhafter Nähe zum Absatzmarkt werden die humusreichen Böden aus ehemaligen Mooren früh als idealer Ort für den Gemüseanbau genutzt, zudem konnte man früher die Fäkalien aus der Stadt als Dünger heranschaffen.

Zu den zentralen Problemen des Gemüseanbaus im Knoblauchsland gehören der Preisverfall des Gemüses, der zu einer Verschuldung vieler Betriebe führte, dazu die zunehmende Verstädterung, die einerseits zu Flächenverlusten durch Bebauung führt, andererseits die Grundstücks- und Pachtpreise in die Höhe treibt und so Schwierigkeiten bei der Ausdehnung der Betriebe macht. Die verstädterte Umgebung mit dem Nürnberger Flughafen und dem Frankenschnellweg führt darüberhinaus zu einer hohen Umweltbelastung der Anbauflächen.

Gewerbeprojekte[Bearbeiten]

Sowohl Nürnberg als auch Fürth zogen seit den 1970er Jahren wiederholt landwirtschaftliche Flächen des Knoblauchsland zur Neuausweisung von Gewerbegebieten heran. Geplant war auch durch Verbindung der bestehenden Gewerbegebiete Nürnberg-Schmalau und Fürth-Bislohe ein gemeinsames Technologie-Gewerbegebiet der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen zu errichten.

S-Bahn[Bearbeiten]

Zur besseren Erschließung der Gewerbegebiete aber auch der Orte Bislohe, Schmalau und Stadeln an sich, enthält die Planung der S-Bahn von Nürnberg über Fürth nach Erlangen und Forchheim einen Verschwenk der Trasse ins Knoblauchsland.

Lohbauersche Land-Chronik[Bearbeiten]

Das sogenannte Knoblauchland hat seinen Namen von der ausgedehnten Kultur an Gemüsen und Handelsgewächsen. Der Boden, an und für sich nicht fruchtbar, musste erst durch alle möglichen Düngungsmittel zur Ertragfähigkeit gebracht werden. Fleiß und rationelle Bewirthschaftung hatten Hand in Hand zu gehen, bis das gartenähnliche Land geschaffen wurde. Ein thätiges und mit Verständniß arbeitendes Völkchen sitzt im Knoblauchslande. Starke Bauern mit ausgedehntem Arealbesitz und bedeutendem Fruchtbau sind selten; vorwaltend ist der mittlere und kleine Besitz, der sich vornehmlich zu jener gartenähnlichen Kultur eignet. Von hervorragender Bedeutung sind außer Korn und Kartoffeln auch Tabakbau und Meerrettigpflanzungen, mit letzteren wird ein weit ausgedehnter Handel betrieben, welcher donauabwärts bis Wien und Ungarn geht. Gewöhnlich wird derselbe von Handelsleuten aus Baiersdorf aufgekauft und als "Baiersdorfer Green" in die weite Welt versandt.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmut Heller: Eine Zukunft für das Knoblauchsland? Trendbeobachtungen im stadtnahen Gemüseanbaugebiet von Nürnberg-Fürth. Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, Deutschland, Bd. 25/26, 1978/1979 - online abrufbar (Zugriffsdatum: 17.04.2017)
  • Hermann Rusam: Das Knoblauchsland in vorgeschichtlicher Zeit. In: Fürther Heimatblätter, 1980/4, S. 89 - 94
  • Hermann Rusam: Herrensitze und Lusthäuslein des reichsstädtischen Patriziats im Knoblauchsland bei Nürnberg. In: Fürther Heimatblätter, 1985/2, S. 49 - 61
  • Hermann Rusam: Das Knoblauchsland in Schilderungen aus alter und neuerer Zeit. In: Fürther Heimatblätter, 1988/1, S. 22 - 27
  • Hermann Rusam: Das alte Knoblauchsländer Dorf in seinem äußeren Erscheinungsbild. In: Fürther Heimatblätter, 1989/4, S. 132 - 140
  • Karl Gatterer, Rudolf Höcker: VFR-Exkursion Knoblauchsland am 30.07.2005. Exkursionsbericht des Vereins zur Erforschung der Flora des Regnitzgebietes e. V. - online abrufbar
  • Agrarstrukturelles Gutachten Knoblauchsland, BBV LandSiedlung GmbH München, April 2017 (Auftraggeber Stadt Nürnberg) - online abrufbar (Zugriffsdatum: 07.01.2018)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Barbara Ohm: Durch Fürth geführt, Band 2 - Die Stadt jenseits der Flüsse. VKA Verlag Fürth, 2005, 3-9807080-0-4, S. 75.
  2. Land-Chronik, Fürth 1892, S. 361